Beratung und Therapie

Was heißt kokainabhängig?

Psychische Auswirkungen von Kokainkonsum

Wirkweise von Kokain

Behandlungsablauf

Therapiebegleitende Maßnahmen und Angebote

Akupunktur

Kokain hat sich in den letzten Jahren zur (illegalen) Droge Nummer Eins entwickelt. Für viele Menschen begrenzt sich der Konsum von Kokain nur auf eine vorübergehende Lebensspanne und findet in größeren Abständen auf Feiern statt.
Auf der anderen Seite entwickeln aber immer mehr Menschen Probleme im Umgang mit Kokain.
Die Nachfrage nach Hilfeangeboten für Kokainkonsumenten hat deutlich zugenommen und zwar sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen. Inzwischen ist sowohl der Anteil der bei uns Ratsuchenden als auch der sich in ambulanter Therapie befindlicher Klienten, die Probleme mit Kokain haben, erheblich gewachsen.


Beratung und Therapie

Sowohl Menschen mit Kokain-Problemen als auch deren Angehörige können sich unangemeldet und kostenfrei im Rahmen der Sprechstundenzeiten unserer Beratungsstelle Informationen, Beratung und Unterstützung holen. In unserer Beratungsstelle wird auch das Antragsverfahren für Ambulante Therapie durchgeführt


Zeiten der Sprechstunde:

Mo  10.00 - 12.00 Uhr
Di    14.00 - 19.00 Uhr
Do  14.00 - 16.00 Uhr

Die Kokainsprechstunde verteilt sich auf die oben genannten Sprechzeiten.
Die Abendsprechstunden sind vor allem Berufstätigen vorbehalten.

Hasselbrookstr.94 a · 22089 Hamburg 
                
e-mail:      beratung@seehaus-hh.de
Tel.  040   2000102000                    
Fax  040   2000102001
                

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Was heißt kokainabhängig?

Kokain macht im engeren Sinne nicht körperlich abhängig. Demgegenüber ist das psychische Suchtpotential erheblich, was auch nicht verwundert, wenn man sich die – zunächst weitgehend positive – psychische Wirkungsweise von Kokain ansieht.

Eine Kokainabhängigkeit unterscheidet sich in ihrem Erscheinungsbild in der Regel deutlich von der klassischen Alkohol- oder Opiatabhängigkeit. D.h.: Der ständige Konsum im Sinne eines Spiegel Haltens ist eher seltener, dafür um so häufiger der episodische Substanzgebrauch in immer dichter werdenden Abständen und exzessiverer Ausformung.

Das heftige, häufig sehr plötzliche Verlangen nach der Droge tritt immer intensiver und öfter auf, die nicht beabsichtigten sozialen und finanziellen Folgen werden immer gravierender.

Besonders typisch für eine sich entwickelnde Kokainabhängigkeit sind immer schwerwiegendere und länger anhaltende depressive Verstimmungen danach, teilweise auch die Entwicklung paranoider Gedanken (Verfolgungsängste) und ein zunehmendes inneres Ungleichgewicht.

Die sozialen Beziehungen werden oft immer weniger gepflegt und flachen ab, es tritt häufig ein sozialer Rückzug ein mit Vernachlässigung der Freizeitgestaltung, Nichteinhalten von Verabredungen und emotionaler Unerreichbarkeit.

Kokainabhängigkeit wird oft über lange Zeiträume geheimgehalten, bis
der Teufelskreis der Sucht (..zunehmende innere Brüchigkeit bei steigender Energieaufwendung zum Aufrechterhalten der Fassade, Zunahme des Konsums zum Betäuben der Schuld- und Leeregefühle bei Abnahme der positiven Wirkung der Droge...) irgendwann unsanft unterbrochen wird, z.B. durch drohenden Verlust von Partnern oder Arbeitsplatz, Schuldeneskalation, Auftreten schwerer Depressionen oder Paranoia, völlige Vereinsamung oder auch strafrechtliche Probleme.

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Psychische Auswirkungen von Kokainkonsum
Kokain ist von seiner Wirkweise her zunächst eine scheinbar omnipotente Droge:

Kurzfristig:

  • Steigerung des Selbstwertgefühls und des subjektiven Kompetenzerlebens (Probleme jedweder Art lösen zu können)

  • Steigerung des Erlebens eigener sozialer Fähigkeiten

  • subjektive Steigerung der Konzentrationsfähigkeit / Ausdauer

  • Steigerung der (psychischen) sexuellen Erlebnisfähigkeit

  • drastischer Abbau von Scham, Skrupeln und Moralvorstellungen

  • Verminderung der (negativen) Symptome des Betrunkenseins

  • Verminderung von Hungergefühlen

  • u. U. deutlich erhöhtes Aggressionspotential

Nach dem Rausch:
(je nach Häufigkeit, Exzessivität und Dauer des Konsums)

  • Ausgeprägte depressive Verstimmungen (1 Tag bis 1 Woche)

  • Erschöpfungszustände verbunden mit Schlafstörungen

  • Konzentrationsstörungen, erhöhte Gereiztheit

  • Schamgefühle, Angst, entdeckt zu werden

  • u. U. paranoide Verfolgungsideen

Langzeitwirkungen:

  • Zunehmende Schwierigkeiten, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen

  • die psychischen Energien sind vorwiegend auf Bewältigung des vorangegangenen Konsums bzw. Vorfreude/Angst bzgl. des nächsten Konsums bezogen

  • gehäufte Symptome von Streß, Erschöpfung und depressiven Verstimmungen (da die Einbrüche immer wieder wettgemacht werden müssen und die Konflikte mit dem Umfeld zunehmen)

  • sozialer Rückzug und Reduzierung der Freizeitaktivitäten; die Bereitschaft, das soziale Umfeld aktiv zu gestalten, sinkt

  • Verlust des Vertrauens in die Fähigkeit, sich selbst zu steuern; Selbsterleben als gespalten in zwei Persönlichkeiten.

Nicolai Essberger, Psychologischer Psychotherapeut

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Wirkweise von Kokain


Kokaingebrauch kann zu starker psychischer Abhängigkeit führen. Anders als beim Heroin entsteht keine körperliche Abhängigkeit. Kokain stimuliert das dopaminerge - d. h. das Belohnungssystem im Gehirn. Es erzeugt, wenn es geraucht oder injiziert wird, schlagartig Wohlempfinden, Selbstvertrauen und Euphorie.

Im Tierversuch übersteigt die suchterzeugende Wirkung von Kokain die des Heroins deutlich.

Nebenwirkungen:

  • Der Blutdruck steigt, die Pupillen erweitern sich.

Bei sehr hohen Kokaindosierungen können folgende Symptome auftreten:

  • zusammenhangloses Reden

  • starke Kopfschmerzen

  • Atemstörungen

  • wahnhafte Beziehungs- und Verfolgungsideen

  • Ohrengeräusche

  • akustische und sensorische Halluzinationen

  • extreme Aggressionen werden manchmal empfunden und z. T. ausagiert

Im Entzug sind typisch:

  • ausgeprägte Niedergeschlagenheit

  • Reizbarkeit

  • Störungen der Konzentration

  • Schlafstörungen und 

  • Suizidgedanken 

Schwere psychische Störungen, wie Depressionen, extreme Angst und/oder Psychosen entwickeln sich gewöhnlich innerhalb von Stunden zurück, können aber auch über Wochen andauern.

Bei Kokain-"Sniefern" entstehen oftmals Nebenhöhlenentzündungen und Reizungen mit Blutungen der Nasenschleimhaut, die beim exzessiven "Sniefen" zum Durchbruch der Nasenscheidewand führen können.

Kokain-"Raucher" erkranken häufig an einer Reizung oder Entzündung der Bronchien und nicht selten an einer Lungenentzündung.

Spezielle Inhalationstechniken (basen) der Kokain-User können zum Einreißen des Lungenfells führen (Pneumothorax) mit akuten lebensbedrohlichen Folgen.

Bei längerem Mißbrauch kann es durch die appetithemmende Wirkung des Kokains zur Mangelernährung kommen.

Kokain ist eine Substanz, die stark auf den Blutkreislauf wirkt. Selbst bei jungen und gesunden Personen wurden Herzinfarkte und Schlaganfälle beschrieben. 

Auch Todesfälle durch plötzlichen Atem- und Herzstillstand im Zusammenhang mit Kokaingebrauch wurden beobachtet.

Cathrin Tilsner-Gleiss, Ärztin


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Behandlungsablauf 

Für den Verlauf der ambulanten Behandlung kokainabhängiger Klienten unterscheiden wir 4 verschiedene im Anschluß an den Überblick erläuterte Phasen.
Hinzu kommen therapiebegleitende Maßnahmen und Angebote.
Die Phase II und die Abschlußphase unterscheiden sich inhaltlich nicht von der Therapie mit Klienten die von anderen Suchtmitteln abhängig sind.

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Die
Phasen der Ambulanten Therapie (speziell bei Kokainabhängigkeit):

Eingangsphase (1 - 2 Monate)

1. Beziehung / Vertrauensverhältnis aufbauen

  • Entwicklung eines Arbeitsbündnisses (Klärung, wo der ganz aktuelle Handlungsbedarf liegt)

  • Entwicklung pragmatischer Sofortmaßnahmen (Akupunktur, Geldkontrolle, Alkoholverzicht, Vermeidung spezifischer Auslöser...)

  • Klärung, worum es in der Therapie gehen wird

  • Beginn einer gemeinsame Suche von Klient und Therapeut nach Hintergründen und Bewältigungsmöglichkeiten

2. Eine wirkliche Entscheidung treffen

"Ich muß aufhören" ist erfahrungsgemäß als Motivation nicht ausreichend !
Pro und Kontra klären mit dem Ziel der Schärfung der Selbstwahrnehmung sowie der Entwicklung einer realistischen Krankheitseinsicht:

  • was hat mir die Droge gebracht ?

  • wovon muß ich mich verabschieden ?

  • was hat sie mir genommen bzw. droht sie zu zerstören ?

  • Welche Probleme treten bei Verzicht auf die Droge auf ?

3. Klärung: Was macht Kokaintherapie aus ?

Der häufige bzw. exzessive Konsum von Kokain ist ein Problembewältigungsversuch, und damit ein Symptom (!)  für nicht wahrgenommene krisenhafte Lebensentwicklungen. Therapie beinhaltet daher über das Ergreifen von Erste-Hilfe-Maßnahmen hinaus, Ursachen aufzudecken, verdrängte Gefühle und Bedürfnisse wieder spüren zu lernen und neue Verhaltensweisen zu erlernen.

4. Abstinenz üben

  • Setzen kurzfristiger, überschaubarer (Abstinenz-)Ziele

  • Verbesserung der Selbstbeobachtung über Selbstbeobachtungsbögen

  • Schließen von Hintertüren und Entwicklung von Hilfsmaßnahmen wie z.B. Geldkontrolle;
    Kontaktabbrüche zu einschlägigen Orten und Personen; Verzicht auf gefährdende Situationen; u.U. Alkoholverzicht; Tagespläne bzgl. Freizeit / Sport und Kontakte; Einweihen einer vertrauten Person, die in Krisenzeiten (vor einem eventuellen Rückfall) 
    um Hilfe gebeten wird.

  • Auseinandersetzung mit Situationen, die zu Rückfällen geführt haben, um den nächsten Rückfall möglichst zu verhindern

  • Bedeutung von Gefühlen (er-) klären

  • Beginn der Suche nach wirklichen Gefühlen und Wünschen

  • Vorbereitung auf die Möglichkeit eines Rückfalls

  • Weiterführung des Therapiebuchs - jetzt mehr im Sinne einer täglichen Reflexion

  • Einbeziehung der Angehörigen

Unter Umständen kann sich in dieser Phase herausstellen, daß ein 2 - 3 wöchiger stationärer Entzug in der Fachklinik Bokholt sinnvoll und notwendig ist, um Abstand zur Droge zu bekommen und zur Ruhe bzw. Besinnung zu kommen. Zwei bis drei Wochen „Auszeit“ können auch der Entscheidungsfindung dienen, ob im Anschluß eine ambulante Rehabilitation oder nicht doch eine stationäre Kurzzeitrehabilitation am sinnvollsten ist.

Therapiephase I  (ca. 6 Monate)

5. Vertiefung des therapeutischen Prozesses

  • Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebenslauf unter der Fragestellung welchen Sinn machte mein bisheriges Verhalten in der Vergangenheit, wo nützt es mir jetzt, wieweit schade ich mir jetzt damit (Erarbeitung der Hintergrundproblematik)

  • Entwickeln und einüben neuer Verhaltensweisen bzgl. des Umgangs mit sich selbst und der Umwelt (z. B. Wünsche, Kritik und Gefühle äußern - sich auf das Abenteuer Gefühle und Beziehung einlassen, Grenzen setzen)

  • Einleitung einer evtl. notwendigen Schuldenregulierung

  • Ausbau des persönlichen Hilfesystems und offenerer Umgang mit dem eigenen Suchtproblem (Freundeskreis, Angehörige, u.U. Arbeitgeber)

  • Lernen, schleichende (Verhaltens-) Rückfälle rechtzeitig wahrzunehmen

  • Verbesserung der Notbremsenstrategien

  • Entwicklung neuer Zukunftsentwürfe (u.U. Veränderung der beruflichen und sozialen Rahmenbedingungen

Therapiephase II  (ca. 8 Monate)

6. Sich weiter selbst kennenlernen, stabilisieren und das neue Verhalten im Alltag üben und festigen

Abschlußphase (ca. 2 Monate)

7. Abschied nehmen, Nachsorge-/Selbsthilfegruppe

Die Sitzungsfrequenz wird reduziert und spätestens jetzt sollte der Anschluß an eine Selbsthilfegruppe erfolgen.

Nicolai Essberger, Psychologischer Psychotherapeut

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Therapiebegleitende Maßnahmen und Angebote

  • Von Beginn der Behandlung an gibt es zur Unterstützung das Angebot von Akupunktur. Die Akupunktur kann über den gesamten Behandlungszeitraum hinweg in Anspruch genommen werden.

  • Medizinisch/psychologische Diagnostik ist Bestandteil der Therapie. Neben der medizinischen Untersuchung bei Antragsstellung finden Zwischenuntersuchungen und eine medizinische Abschlußuntersuchung statt. Außerdem werden zu Beginn und am Ende psychologische Tests durchgeführt und gemeinsam mit den Klienten ausgewertet.

  • Als sehr sinnvoll herausgestellt hat sich auch das Erlernen von Entspannungsverfahren wie die „Progressive Muskelentspannung“; Indikationsgruppen hierzu werden von uns angeboten.

  • Begleitend durchgeführte Drogenscreenings (zunächst häufiger, später sporadisch) ersetzen zwar nicht die in der Therapie ganz wichtige Offenheit auch bzgl. Rückfällen, haben aber für viele eine stabilisierende Funktion und dienen auch der Nachweisbarkeit des Clean-Status.

  • Die Einbeziehung von Angehörigen (gemeinsame Gespräche, Einzelberatung und Angehörigengruppe) ist oft hilfreich um die destruktive Beziehungsdynamik zu unterbrechen und für alle Beteiligten konstruktive Problembewältigungsansätze zu erarbeiten.

  • Ab dem Ende der Eingangsphase wird die einzeltherapeutische Behandlung durch Gruppentherapie ergänzt. Das dient der Vertiefung der Selbsterfahrung und als wichtiges therapeutisches Übungsfeld.

  • Da auch der Aufbau von sozialen Kontakten und Freizeitgestaltung für eine erfolgreiche Therapie von großer Bedeutung ist, haben wir auch in diesem Bereich verschiedenste Angebote in den Bereichen Sport und Freizeit.

  • Bei Bedarf bieten wir auch Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung an.

  • Für alle Phasen der Therapie ist ein persönliches Therapiebuch zum schriftlichen Festhalten von Gedanken, Gefühlen, Einsichten in der Therapie und  Entschlüssen sehr hilfreich. Es dient der Verbesserung der Selbstkommunikation, es trainiert die Selbstwahrnehmung und führt zu einer Erhöhung der Verbindlichkeit der vom dem Klienten beschlossenen Verhaltensänderungen. 

Nicolai Essberger, Psychologischer Psychotherapeut

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